Zum Inhalt springen

Das ISO GPS Normen System -- Ein Überblick was Sie wirklich wissen müssen

DIN EN ISO 8015; DIN EN ISO 5459; DIN EN ISO 22081; ISO 2768-mK
12. Juli 2026 durch
Gerald Redtenbacher

ISO-GPS sorgt aktuell für Unsicherheit in den Konstruktionsabteilungen


Kaum ein Thema sorgt derzeit in der technischen Konstruktion für mehr Diskussionen als das ISO-GPS-Normensystem. Viele Unternehmen fragen sich:

  • Was hat sich durch die neuen Normen tatsächlich geändert?
  • Müssen bestehende Zeichnungen komplett überarbeitet werden?
  • Welche Auswirkungen hat der Wegfall der ISO 2768-2? --> ISO 2768-mK
  • Welche Anforderungen gelten heute für technische Zeichnungen?

Die Antwort überrascht viele Anwender:

Das Grundprinzip der ISO-GPS ist nicht neu. Die aktuellen Änderungen haben vor allem eine Schwachstelle sichtbar gemacht, die seit Jahrzehnten besteht: Viele Unternehmen haben die vorhandenen GPS-Normen nicht konsequent angewendet. 



Die eigentliche Herausforderung ist nicht die neue Norm – sondern die richtige Anwendung der alten Normen

Eine der wichtigsten Grundlagen des ISO-GPS-Systems ist die

 DIN EN ISO 5459 „Geometrische Produktspezifikation (GPS) – Geometrische Bezüge und Bezugssysteme“.

Diese Norm existiert bereits seit der Erstveröffentlichung im Jahr 1981.

Trotzdem wurde sie im deutschsprachigen Raum in vielen Unternehmen über Jahrzehnte nur teilweise angewendet.

Viele technische Zeichnungen wurden weiterhin nach einem vereinfachten Verständnis erstellt:

  • Bezugskanten wurden nach Gewohnheit gewählt
  • Toleranzen wurden ohne funktionalen Zusammenhang eingetragen
  • Allgemeintoleranzen wurden als Ersatz für eine vollständige Spezifikation verwendet
  • Fertigungs- und Prüfanforderungen wurden nicht eindeutig definiert

Das eigentliche Problem war somit nicht das Fehlen von Normen, sondern das fehlende Verständnis für deren funktionale Anwendung. 


Der entscheidende Wendepunkt: ISO 2768-2 gilt für neue Zeichnungen nicht mehr

Klicken Sie auf den Inhalt und ändern Sie ihn direkt im Frontend, ohne komplexe Backend-Prozesse. Dieses Tool ermöglicht schnelle Aktualisierungen von Text, Bildern und Elementen direkt auf der Seite, wodurch Ihr Arbeitsablauf rationalisiert wird und Sie Ihre Inhalte überwachen können.


Der größte praktische Unterschied für Konstrukteure entstand durch die Zurückziehung der DIN ISO 2768-2.

Viele Unternehmen kennen bis heute die typische Angabe:

ISO 2768-mK

Diese Angabe wurde jahrzehntelang verwendet, um allgemeine Toleranzen für Maße, Form und Lage festzulegen.

Bei älteren Zeichnungen war diese Vorgehensweise üblich und funktionierte in vielen Fällen ausreichend.

Seit 2021 gilt jedoch:

Für Zeichnungen mit neuem Ausstellungsdatum darf die ISO 2768-2 nicht mehr als Grundlage für allgemeine geometrische Toleranzen verwendet werden.

Der Nachfolger ist:

DIN EN ISO 22081 – Geometrische Produktspezifikation (GPS) – Allgemeine geometrische Spezifikation und allgemeine Größenanforderungen


Der entscheidende Unterschied: ISO 22081 enthält keine Toleranztabellen

Genau hier entsteht die größte Unsicherheit in vielen Unternehmen.

Die alte ISO 2768-2 war einfach:

Beispiel:

  • ISO 2768-mK eintragen
  • Tabelle nachschlagen
  • zulässige Allgemeintoleranz war definiert

Die ISO 22081 funktioniert anders.

Sie enthält:

keine allgemeinen Tabellenwerte wie die ISO 2768-2.

Stattdessen fordert sie eine eindeutige funktionale Spezifikation über:

  • Bezugssysteme
  • geometrische Toleranzen
  • funktionale Anforderungen
  • eindeutige Prüfbedingungen

Die Konstruktion muss also stärker überlegen:

Welche geometrische Eigenschaft ist für die Funktion des Bauteils wirklich entscheidend?

-->Korrekte Anwendung sie meinen Fachartikel: ISO 22081 vs ISO 2768-mK

Was bedeutet das für Konstrukteure?

Die wichtigste Änderung ist ein Wechsel der Denkweise.

Früher:

„Welche Standardtoleranz kann ich verwenden?“

Heute:

„Welche Toleranz benötigt die Funktion des Bauteils wirklich?“

 Eine technische Zeichnung beschreibt nicht nur ein Bauteil – sie definiert eine technische Vereinbarung zwischen:

  • Konstruktion
  • Arbeitsvorbereitung
  • Fertigung
  • Qualitätssicherung
  • Lieferanten

Wenn diese Vereinbarung nicht eindeutig ist, entstehen Kosten durch:

  • Rückfragen
  • Nacharbeit
  • Ausschuss
  • unnötig hohe Fertigungsanforderungen



Warum Unternehmen jetzt Probleme bekommen

Unternehmen, die ISO-GPS bereits richtig angewendet haben, haben durch die aktuellen Änderungen kaum Schwierigkeiten.

Probleme entstehen vor allem dort, wo Zeichnungen bisher auf vereinfachten Regeln aufgebaut wurden:

  • Allgemeintoleranz als Standardlösung
  • keinen definierten Bezugssysteme
  • Toleranzen ohne Funktionsbezug

Die ISO-GPS-Reform ist daher weniger eine neue technische Herausforderung, sondern eine Aufforderung, bestehende Zeichnungsprozesse professioneller aufzubauen. 



Fazit: ISO-GPS ist keine neue Welt – aber eine neue Verantwortung

Die wichtigste Erkenntnis:

Nicht die Normen haben sich plötzlich verändert. Die Anforderungen an eine eindeutige technische Kommunikation wurden nur konsequenter umgesetzt.

Wer ISO-GPS bereits funktional verstanden und angewendet hat, arbeitet weiterhin problemlos.

Wer bisher hauptsächlich mit Standardtabellen und Gewohnheiten gearbeitet hat, muss seine Vorgehensweise anpassen.

Die Zukunft der technischen Zeichnung liegt nicht darin, mehr Symbole einzutragen.

Die Zukunft liegt darin, die richtigen Anforderungen eindeutig, funktional und wirtschaftlich zu spezifizieren.

Genau darin liegt der Kern einer modernen ISO-GPS-konformen Zeichnung.


Über den Autor

Ing. DI Gerald Redtenbacher, B.Sc. ist Gründer von RED-Drawing und spezialisiert auf praxisorientierte ISO-GPS-Schulungen, Zeichnungskontrolle und Fertigungsoptimierung. Durch seine Erfahrung als Manufacturing Engineer bei AVL sowie seine praktische Ausbildung als Werkzeugmaschineur und CNC-Techniker verbindet er Normenwissen mit realer Fertigungspraxis.

Zweitägige ISO-GPS Schulung bei Infineon